
Shen Yun ist eine weltweit erfolgreiche Tanzshow, die traditionelle chinesische Kultur präsentiert. Doch hinter dem Glanz verbirgt sich die religiöse Falun Gong-Bewegung mit kontroversen Überzeugungen, Überwachung, Misshandlungen und Klagen ehemaliger Tänzer. Die Shows finanzieren ein lukratives Imperium, das auch in Frankreich und anderen Ländern aktiv ist und mit öffentlichen Schulen kooperiert.
In vielen Großstädten ist die Werbung für Shen Yun seit Jahren allgegenwärtig. Shen Yun ist bekannt für spektakuläre Tanzshows, die traditionelle chinesische Kostüme und ein Orchester präsentieren. Die Truppe reist weltweit und gibt bei jeder Tournee hunderte Aufführungen. Doch hinter dem künstlerischen Glanz verbirgt sich eine tiefere, kontroverse Geschichte.
Shen Yun ist das Aushängeschild von Falun Gong (auch Falun Dafa genannt), einer spirituellen Bewegung mit skurrilen und gefährlichen Überzeugungen. Falun Gong wurde 1992 von Lee Hongzhi in China gegründet und basiert auf den drei Grundwerten Wahrheit, Güte und Geduld. Die Bewegung ist in China sehr erfolgreich und hatte laut eigenen Angaben rund 70 Millionen Anhänger, wurde jedoch 1999 von der kommunistischen Partei verboten.
Lee Hongzhi, der Gründer, lebt heute in den USA und hat Shen Yun als künstlerisches Projekt ins Leben gerufen. Die Bewegung hegt einen tiefen Hass auf die kommunistische Partei Chinas und präsentiert in den Shows eine idealisierte Version der chinesischen Geschichte vor dem Kommunismus.
Falun Gong propagiert unter anderem die Fähigkeit zur Levitation und glaubt an die Existenz von Außerirdischen, die unter uns leben. Die Bewegung vertritt konservative Ansichten, etwa dass sexuelle Beziehungen nur in einer monogamen, heterosexuellen Ehe stattfinden sollten.
Besonders problematisch ist der Glaube an Wunderheilungen. Gläubige, darunter auch Ärzte, behaupten, von tödlichen Krankheiten wie Krebs geheilt worden zu sein. Diese Überzeugung führt dazu, dass manche medizinische Behandlungen ablehnen, was schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann.
Ehemalige Mitglieder berichten von Überwachung, sozialer Isolation und psychischem Druck. So beschreibt die ehemalige Geigerin Lila Joo, wie sie ständig überwacht und kritisiert wurde, was zu ihrer Ausgrenzung führte. Simone Gao wurde nach 20 Jahren ausgeschlossen, weil sie den Kontakt zu einem ehemaligen Anhänger nicht abgebrochen hatte. Der Ausschluss aus der Bewegung wird als sozialer Tod empfunden, da fast das gesamte soziale Umfeld aus Falun Gong-Anhängern besteht.
Shen Yun rekrutiert viele seiner Künstler aus Familien, die der Falun Gong-Bewegung angehören. Einige junge Tänzer berichten, dass sie gegen ihren Willen in die Truppe aufgenommen wurden. Eltern schicken ihre Kinder oft schon in jungen Jahren in die USA, um dort für Shen Yun zu tanzen. Die Kinder verbringen viele Stunden täglich mit intensivem Training, manchmal bis Mitternacht.
Recherchen, unter anderem der New York Times, zeigen, dass hinter dem Glanz von Shen Yun unbehandelte Verletzungen und emotionaler Missbrauch stehen. Ehemalige Tänzer klagen über ein rigoroses Trainingsprogramm mit bis zu 15 Stunden täglich, mindestens sechs Tage die Woche. Sie berichten von schweren Verletzungen ohne medizinische Versorgung, Trennung von Familien, Morddrohungen, Demütigungen sowie körperlichen und psychischen Schäden.
Im Jahr 2024 reichten sechs ehemalige Tänzer in den USA Klage gegen Shen Yun ein, unter anderem wegen verweigerter medizinischer Versorgung. Eine Klägerin erlitt eine schwere Fußverletzung, wurde aber aufgefordert, um Heilung zu beten, anstatt medizinisch behandelt zu werden.
Falun Gong hat in knapp 20 Jahren ein finanziell äußerst erfolgreiches Imperium aufgebaut. Der Kartenverkauf für Shen Yun-Shows generiert jährlich Millionen von Dollar. Während die Shows 2009 noch 8 Millionen Dollar einspielten, sind es heute bis zu 51 Millionen Dollar jährlich. Das Vermögen von Lee Hongzhi wird auf rund 290 Millionen Dollar geschätzt.
Die Organisation der Tourneen erfolgt über lokale Falun Gong-Vereine, die Marketing, Werbung und Ticketverkauf übernehmen. In Frankreich etwa agiert der Verein "Lotus Sacré" als diskreter Organisator, der seine Verbindung zu Falun Gong nicht offenlegt.
Der Verein Lotus Sacré war über zehn Jahre in öffentlichen Schulen in Paris aktiv und führte dort außerschulische Aktivitäten wie Origami-Workshops und Chinesischkurse durch. Die Pariser Stadtverwaltung war sich lange nicht bewusst, dass hinter dem Verein die religiöse Bewegung Falun Gong steht.
Im Jahr 2022 kam es zu einem Vorfall, bei dem eine Referentin Werbegeschenke mit Bezug auf Falun Gong an Kinder verteilte. Daraufhin erhielt der Verein eine Verwarnung und eine Mahnung zur Einhaltung von Neutralität und Laizismus. Die Zusammenarbeit mit Lotus Sacré wurde 2025 beendet.
Die Finanzen von Lotus Sacré sind nicht öffentlich zugänglich, doch Schätzungen zufolge zahlte der Verein 2025 rund 3,4 Millionen Euro an die Zentrale von Shen Yun und Falun Gong. Dies führte zu einer Nachzahlungsforderung von mehreren Millionen Euro durch die französischen Steuerbehörden. Der Verein legte Berufung ein, und der Fall wird derzeit geprüft.
Shen Yun ist mehr als nur eine Tanzshow. Hinter der spektakulären Inszenierung steht eine religiöse Bewegung mit kontroversen und teilweise gefährlichen Überzeugungen. Die Verbindung zu Falun Gong bringt Überwachung, soziale Isolation, Misshandlungen und rechtliche Auseinandersetzungen mit sich. Gleichzeitig finanziert der Erfolg der Shows ein lukratives Imperium, das auch in westlichen Ländern aktiv ist und Einfluss auf öffentliche Einrichtungen nimmt.
Für Zuschauer und Interessierte ist es wichtig, die Hintergründe von Shen Yun zu kennen und kritisch zu hinterfragen, was sich hinter der Fassade verbirgt.
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