
Die zunehmende Anzahl von Unternehmen, die länger privat bleiben und erst spät an die Börse gehen, führt zu einer Marktverzerrung für ETF-Anleger. Mega-IPO-Bewertungen wie bei SpaceX treiben die Preise in ETFs in die Höhe, während der Privatmarkt wächst. Anleger sollten überlegen, ob sie zusätzlich in Privatmärkte investieren sollten, um von der Wertschöpfung zu profitieren.
Als großer Fan von ETFs beobachte ich eine negative Entwicklung in der ETF-Branche, die sich in letzter Zeit verstärkt hat. In diesem Artikel möchte ich meine Gedanken zu dieser Entwicklung teilen und erläutern, wie ich darauf reagiere.
Ich habe den Großteil meines Vermögens in ETFs investiert, daneben halte ich langfristige Aktien und ein taktisches Depot. Seit 2009 bin ich ein Verfechter von ETFs als einfache und effiziente Möglichkeit, in Aktien zu investieren. Doch aktuell sehe ich eine Entwicklung, die ETF-Anleger nicht ignorieren sollten.
Ein aktuelles Beispiel ist SpaceX, Elon Musks Raumfahrtfirma, die einen Börsengang (IPO) mit einer Rekordbewertung von über 2 Billionen US-Dollar anstrebt. Das wäre der größte IPO der Geschichte.
SpaceX hat in den letzten Jahren durch mehrere kleinere Finanzierungsrunden seinen Unternehmenswert stark gesteigert. Zum Beispiel:
Diese kleinen Kapitalaufnahmen führten zu einer enormen Aufblähung des Unternehmenswerts, der nun für den IPO auf 1,75 bis 2 Billionen Dollar geschätzt wird.
Indexanbieter und Börsen haben ihre Regeln gelockert, damit Mega-IPOs wie SpaceX schneller in Indizes aufgenommen werden können. Beispielsweise wurde die Mindestanzahl frei handelbarer Aktien von 10 % auf 5 % gesenkt, was SpaceX erlaubt, mit nur 5 % frei handelbaren Aktien direkt in den Index aufgenommen zu werden.
Das bedeutet, dass ETFs, die diesen Index abbilden, SpaceX-Aktien zu einem sehr hohen Preis kaufen müssen, obwohl nur wenige Aktien verfügbar sind. Dies führt zu einer Verzerrung, da Anleger teure Anteile in ihre ETFs bekommen, die möglicherweise überbewertet sind.
Die Anzahl börsennotierter Unternehmen in den USA ist seit 2000 von etwa 10.000 auf rund 7.000 gesunken, während die Zahl der privaten Unternehmen auf über 60.000 explodiert ist.
Früher gingen Unternehmen wie Apple oder Adobe nach wenigen Jahren an die Börse (4-6 Jahre). Heute bleiben Firmen wie Airbnb, Palantir, Uber oder Spotify 10 bis 17 Jahre privat. SpaceX war sogar 24 Jahre privat, OpenAI 11 Jahre.
Etwa 90 % aller US-Unternehmen mit einem Umsatz über 100 Millionen Dollar sind heute privat. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Wertschöpfung außerhalb der öffentlichen Börsen stattfindet.
Da immer mehr Wert in privaten Märkten geschaffen wird, die erst spät an die Börse kommen, erhalten ETF-Anleger oft nur spät Zugang zu diesen Unternehmen – und dann zu sehr hohen Bewertungen.
Morningstar hat als Reaktion einen neuen Index entwickelt, der neben den 90 größten börsennotierten Unternehmen auch 10 der größten privaten Unternehmen enthält, darunter SpaceX und OpenAI. Dieser Index hat sich bisher besser entwickelt als klassische Indizes.
Es ist zu erwarten, dass Indexanbieter und ETF-Anbieter künftig Produkte mit höherem Privatmarktanteil anbieten werden, um Anlegern Zugang zu dieser Wertschöpfung zu ermöglichen. Dies könnte über Venture Capital, Private Equity oder andere Wege geschehen.
Ich überlege, ob ich als ETF-Investor zusätzlich in Privatmärkte investieren sollte, um von der Wertentwicklung dieser Unternehmen zu profitieren, oder ob es ausreicht, auf IPOs zu warten und dann in ETFs zu investieren.
Diese Entwicklung stellt eine Schattenseite der ETF-Investition dar, da die größten Werte oft erst spät und zu hohen Bewertungen in ETFs aufgenommen werden. Es ist wichtig, diese Dynamik zu verstehen und seine Anlagestrategie entsprechend anzupassen.
Ich lade euch ein, eure Meinung zu diesem Thema zu teilen und sich Gedanken darüber zu machen, wie man als Anleger mit der wachsenden Bedeutung der Privatmärkte umgehen sollte.
Ich bin Sebastian Hell und freue mich, euch im nächsten Video wiederzusehen.
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